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«Chinesische Chronik»
- Rita Baldegger
Peking, den 8. März 2001
Der schwarze Mann
Chinas Premier Zhu Rongji hat einen unbekannten Attentäter
beschuldigt, die Schule in Jiangxi in die Luft gejagt
zu haben. Der wirkliche Grund ist die Armut.
Chinas Premier Zhu Rongji hat einen unbekannten Mann
beschuldigt, die Explosion in der Primarschule in der
östlichen Provinz Jiangxi verursacht zu haben.
Bei der Explosion am Dienstag starben 41 Menschen, die
meisten Kinder, und 68 wurden verletzt. Erste Untersuchungen
der Polizei hatten ergeben, dass Feuerwerkskörper
in der Schule die Ursache für das Unglück
waren.
Zhu Rongji teilte am Donnerstag mit, dass die Katastrophe
im Dorf Fanglin das Werk eines einzigen Mannes sei,
der "einen Groll hege und geistig krank sei".
Der Mann habe Feuerwerkspulver in das Schulhaus gebracht
und angezündet. Er sei dabei umgekommen.
Zhus Aussage folgte nach einem Bericht in der Liaoshan
Evening News, in der ebenfalls von einem mysteriösen
Mann in Schwarz die Rede war. Die Zeitung hatte einen
Lehrer namens Deng interviewt, der den Fremden mit einem
Sack ins Klassenzimmer kommen sah.
Die China Daily meldete, dass die lokalen Behörden
diese Version des Vorganges nicht bestätigten.
Deren Nachforschungen hatten zu Tage gebracht, dass
die Lehrer und Schüler im Auftrag einer lokalen
Firma in den Klassenzimmern Feuerwerkskörper zusammensetzten.
Zur Zeit der Explosion hätten acht- und neunjährige
Schüler Zündschnüre in die halbfertigen
Feuerwerkskörper gesteckt. Zhu lehnte diese Erklärung
ab.
Die Schule hatte mit der Fabrik zusammengearbeitet,
um sich zu unterhalten und die Gehälter der Lehrer
zu bezahlen. Bewohner erklärten gegenüber
Agence France-Presse, dass die Initianten des Unterfangens
der Hauptlehrer und der kommunistische Parteisekretär
des Dorfes gewesen seien. Die Kinder seien mit Geldstrafen
gebüsst worden, wenn sie ihre Arbeitseinsätze
verpasst hätten.
Laut der Organisation Human Rights in China in Hongkong
hat die Pekinger Zentralregierung nur 2,4 Prozent des
Bruttoinlandproduktes (ungefähr 4,4 Milliarden
Schweizer Franken) der Erziehung zugesprochen. Damit
gibt China weniger als andere Entwicklungsländer
für die Ausbildung aus. Peking überlässt
es den lokalen Regierungen, die Kosten für die
obligatorische neunjährige Schulzeit aufzutreiben.
Für arme, ländliche Gebiete ist diese Aufgabe
fast unüberwindlich. Es ist nicht ungewöhnlich,
dass sich Lehrer und Schüler mit Nebenjobs behelfen.
Manche haben Glück und finden verhältnismässig
leichte Arbeit wie das Zusammensetzen von Spielzeugen.
Andere Kinder sollen in Bergwerken schuften.
Am Dienstag hat Peking angekündigt, die Militärausgaben
dieses Jahr um 17,7 Prozent auf zirka 27 Milliarden
Schweizer Franken zu erhöhen. 
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